Mit Josef Penninger erhält einer der international renommiertesten Wissenschaftler Österreichs den Wittgensteinpreis 2014. Penninger, seit Gründung im Jahr 2003 wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, will das Preisgeld in der Höhe von 1,5 Millionen Euro in junge Wissenschaftlerinnen investieren, die vor allem an zwei IMBA-Forschungsschwerpunkten arbeiten. Zum einen in die Erforschung von haploiden Stammzellen, - das sind Stammzellen, die nur über einen Chromosomensatz verfügen – und zum anderen in die von IMBA-Vizechef Jürgen Knoblich aus Stammzellen entwickelte „Minigehirne“, da sich diese als 3D-Modelle eines menschlichen Gehirnes im Frühstadium eignen.
Damit soll seiner IMBA-Philosophie nachgekommen werden, die Penninger so beschreibt: „Wir holen die besten Leute, geben ihnen genug Geld und schauen was rauskommt.“
Seit 2003 hat Penninger das IMBA zu einer Spitzenforschungseinrichtung von Weltruhm aufgebaut. Heute arbeiten dort 170 ForscherInnen aus über 20 Ländern.
Sich selbst bezeichnet Penninger als "genetischen Ingenieur", der "herausbekommen will, wie Gene funktionieren, sowohl in der Erkrankung, als auch in der normalen Entwicklung". Auch wenn Unternehmen mit Hilfe seiner Arbeit bereits Milliardenumsätze machen, etwa mit einem monoklonalen Antikörper zur Behandlung von Osteoporose, geht es Penninger "nicht um Umsatz, sondern um Forschung, die Leute wieder gesund macht".
Penninger wurde am 5. September 1964 in Gurten (Oberösterreich) geboren und begann nach seiner Schulzeit im Jahr 1982 an der Universität Innsbruck Humanmedizin zu studieren. Nach erfolgter Promotion im Jahr 1990 ging er mit einem Erwin-Schrödinger-Stipendium des FWF als Postdoctoral fellow nach Kanada an das Ontario Cancer Institut, um 1994 zunächst als Assistant Professor, ab 1999 als Associate und ab 2002 als Full Professor am Departement of Immunology and Medical Biophysics der University of Toronto zu lehren und zu forschen. Im Jahr 2002 folgt Josef Penninger dem Ruf, in Österreich das IMBA aufzubauen und zu leiten. Kanada und der University of Toronto blieb er als Adjunct Professor (seit 2004) verbunden. Im selben Jahr wurde er - neben der wissenschaftlichen Leitung des IMBA - Professor für Genetik an der Universität Wien.
Wissenschaftliches Renommee erwarb sich Penninger unter anderem durch die Etablierung eines Systems der „Hefe-Genetik“ für pluripotente Stammzellen in Säugetieren. Dazu stellten er und sein Team haploide embryonale Stammzellen her, - diese haben nur einen Chromosomensatz - um sodann Systeme für die Mutagenese gesamter Genome zu entwickeln. Mit dieser Leistung wurde nicht nur ein biologisches Paradigma verändert, sondern auch eine Technologie entwickelt, die das Potenzial hat, die funktionale Genetik, wie sie heute betrieben wird, zu revolutionieren.
Ein zweiter Aspekt, der untrennbar mit Penningers Forschungsleistungen verbunden ist, sind die Arbeiten zum Thema "Receptor Activator of NF-KB Ligand" (RANKL), die von einer ersten genetischen Validierung bis hin zu neuartigen medizinischen Therapieansätzen reichen. Dass das Thema RANKL buchstäblich mit allen Krankheitsbildern, die mit Knochenschwund assoziiert sind, in Verbindung steht, ist seit einigen Jahren Dank Penningers Forschungsarbeiten bekannt. Daraus entwickelte sich ein vielversprechender Ansatz für die Behandlung von Brustkrebs und ein Ansatz zur Eindämmung von Metastasenbildung in Knochen
Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchst dotierter und prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der seit 1996 durch den FWF vergeben wird. Wittgenstein-PreisträgerInnen stehen für wissenschaftliche Forschungsarbeiten bis zu 1,5 Mio. EUR für die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der Wittgenstein-Preis ist ein "Dry prize", das heißt, die Gelder stehen ausschließlich für die intendierte Forschung zur Verfügung.
Der Entscheidungsvorschlag - basierend auf Fachgutachten ausländischer ExpertInnen. - wurde von der Internationalen START-/Wittgenstein-Jury zusammengestellt. Die Jury setzt sich aus renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammen, um eine bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Jan Ziolkowski, Professor für Latein des Mittelalters und Direktor der Dumbarton Oaks Research Library and Collection der Harvard University, USA.