Schützen Sie Ihr Geschäftsmodell!

10.12.2019 | Forschung, Wirtschaft

Marlis Baurecht, Leiterin des Geschäftsfelds Entrepreneurship | Schutzrechte | Seedförderungen und Elvira Welzig, Abteilungsleiterin für Schutzrechtsmanagement in der aws (Austria Wirtschaftsservice) über die Bedeutung des Schutzes von Technologien und Wissen, die Rolle der aws für den Wirtschaftsstandort Österreich und Unternehmer*innen, die Patente von Anfang an mitdenken.

Es gibt in Österreich einige Agenturen bzw. Markteilnnehmer, wenn es um das Thema Unternehmensfinanzierung und –förderung geht. Was macht die aws aus Ihrer Sicht dabei einzigartig?

Marlis Baurecht:
Wir haben ein klares Mission Statement: die aws ist für Markt- und Unternehmensfinanzierung zuständig. Wir tragen dazu bei, innovative  Unternehmen von der Vorgründungsphase an auf nachhaltige valide Pfeiler zu stellen. Wir legen ein gutes Fundament mit Finanzierung und Marktkenntnis. Wir sind aber auch ein neutraler Faktor – wir sehen sehr viele Ideen und arbeiten mit sehr vielen Unternehmen, vor allem KMU zusammen. Dadurch können wir auch erkennen, welche IP-Strategien zum jeweiligen Zeitpunkt gut funktionieren und wo alten Strukturen nachgehängt wird. Wir sind Trendscouts. Wir wissen um die Markterfordernisse. In der gesamten aws haben wir 25.000 Unternehmen im Portfolio. Diese haben auch sehr viele Arbeitsplätze geschaffen bzw. sichern tausende Arbeitsplätze.  Hier im Bereich Entrepreneurship, Schutzrechtsmanagement und Seedfinanzierung ist die hohe branchenspezifische Expertise der MitarbeiterInnen von größtem Wert. Wir können daher als aws Unternehmer*innen in vielen Phasen begleiten – und wir geben Unterstützung und Förderungdabei, wie man Dinge bzw. Wissen schützt.Und der Frühpase geschuldetes Entwicklungsrisiko im High Tech Bereich gut einschätzen und sowohl finanziell als auch beratend unterstützen..

Elvira Welzig:
Wir helfen dabei, Geschäftsmodelle technologieorientierter Unternehmen zu schützen. Und sie im digitalen Wandel zu begleiten. Während in den USA Geschäftsmodelle per se schützbar sind, z. B.  Verkaufs- und Buchungsplattformen, ist das in Österreich und in Europa nicht möglich. Die Technologie, die hinter den Geschäftsmodellen steht, muss daher bestmöglich geschützt werden. In der Praxis gilt es, Wege zu finden, ein innovatives, erfolgreiches und funktionierendes Geschäftsmodell gegen kopieren zu schützen. Das hat viele Facetten, wie beispielweise den Bedarf und die Zahlungsbereitschaft des Kunden, etc. Das Ziel ist, die Dienstleistung oder das Produkt jedenfalls möglichst exklusiv anzubieten.

Dieser Bereich der aws  setzt vor allem  in der Früh-und Start-up-Phase an, gerade aber im Schutzrechtsmanagement haben auch bereits etablierte Unternehmen großen Bedarf. Worauf kommt es dabei an?

MB:
Die Seed-Leistungen der aws sind deshalb wichtig, weil in der Hochtechnologie-Entwicklung zu Beginn in der Regel hohe Kosten gegeben sind. Da begeben sich etwa Business Angels eher mit Unterstützung der aws in die Finanzierung. Ein Beispiel für ein gelungenes Seed-Projekt aus jüngerer Zeit ist die VR-Brille für Architekten: Da gibt es ein geringes Entwicklungsrisiko und die Branchenanwendbarkeit war schnell klar. Ein Wort noch zu Gründungen: Start-up ist nicht gleich Start-up. Wenn in zwei Jahren Umsätze generiert werden, ist das attraktiv für VC-Investoren. In der Hochtechnologie ist es wie gesagt schwieriger und auch langfristiger zu finanzieren bis das Unternehmen Umsätze macht.

EW:
Wir sind für Kunden ein neutraler Ansprechpartner – wir zeigen Möglichkeiten und Handlungsoptionen auf. Dann erarbeiten die Kunden ihre passende IP Strategie und setzen diese   , gemeinsam z. B. mit Patentanwälten oder IP Beratern oder IP Manager*innen auf Zeit um.

MB:
Für uns steht das Unternehmen und sein Wachstum im Vordergrund  – das ist ein klarer Auftrag an die aws.  Auch bei komplizierten Strukturen, wenn beispielweise mehrere Personen als AnmelderInnen in einem Patent genannt werden, können wir unterstützend beraten. 

Ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt im internationalen Wettbewerb, ist der Schutz von Wissen, Patenten und Technologien. Welche Rolle spielen Sie dabei als Partner?

MB:
Mehr als 50 Prozent der aws-Kunden sind Nischenplayer. Daher ist es wichtig, die Märkte zu kennen und sich darin bewegen zu können. Die innovativen Projekte, die an uns herangetragen werden, werden analysiert nach Fragen der volkswirtschaftlichen Bedeutung, der Patentsituation und des Marktumfelds.. Wir erkennen als aws das Verwertungspotenzial und können mit spezifischen Verwertungsstrategien unterstützen. Dazu gehört auch die Frage: Wie gehe ich mit einem Patent um? Und wie mache ich nachhaltig Geld aus meinem geistigen Eigentum

EW:
Wir können als aws aber auch dabei unterstützen, wenn die Schutzwirkung älterer Patente ausläuft. Dann besteht Handlungsbedarf für Unternehmen. Besonders in Kombination mit digitalen Technologien kann selbst für bestehende Produkte Exklusivität Aufrecht erhalten werden. Hier sehen wir uns als Partner der Wirtschaft und sichern damit auch den Technologievorsprung österreichischer Unternehmen – ein wichtiger Aspekt im internationalen Wettbewerb.

Die österreichische Wirtschaft ist stark exportorientiert und in Wertschöpfungsketten eingebunden – man denke nur an die Automobilindustrie. Wie lässt sich sicherstellen, dass man als „kleines  Unternehmen“ hier nicht von Großen zerrieben wird?

MB:
Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, der uns im Tageschäft immer mehr beschäftigt. Auch Kooperationen können mit Hilfe von IP Vereinbarungen gestaltet werden. Oft beginnt eine Kooperation mit einem Non-disclosure-agreement (NDA) und kann z. B.  in einer Lizenzvereinbarung zur gemeinsamen Nutzung der Ergebnisse führen.
Das hilft, die eigene Position in der Kooperation abzusichern. Die aws hilft somit dabei, Patente zu nützen, um das Geschäftsmodelle zu schützen.

EW:
Wir unterstützen Unternehmen aber auch beim Eintritt in Wertschöpfungsketten – hier geht es um vertragliche Vereinbarungen, um Kooperationspartner, aber auch um den Schutz eines Unternehmens. Die Frage des geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter ist da entscheidend. Wir begleiten den Wandel. Wir helfen dabei, die richtigen Bausteine für eine IP Strategie auszuwählen – nach den ganz besonderen Bedürfnissen der jeweiligen Unternehmen.

Copyright: Kay Felmy

Copyright: Kay Felmy

Sie erhalten jährlich tausende Projektvorschläge. Welche großen Trends zeichnen sich ab?

MB:
Auch unsere Projekte spiegeln die „grand challenges“ in vielen Bereichen wider. Sicherlich zählt dazu einerseits Digitalisierung – in Form von Konnektivität, Daten, Big Data, IT-lastige Projekte. Aber auch Technologie und damit verbundene Anwendung gewinnen an Bedeutung. Life Sciences ist ein weiteres großes Feld, auch die Medizintechnik. Die Digitalisierung eröffnet hier ganz neue Anwendungsfelder, etwa in der Bildgebung, mit Lösungen aus dem Internet of Things, mit Tools zur besseren Früherkennung. Aber: Wir möchten als aws möchte künftig näher an das Entwicklungsrisiko heran. Das heißt, wir möchten mehr Risiko in der Finanzierung nehmen.

EW:
Was wir auch feststellen und was uns ganz wichtig ist: Generell rücken IP- und Forschungs-Themen zusammen. Statt wie bislang zu warten, bis die Entwicklung fertig ist, gibt es jetzt immer schnellere Zyklen zwischen Entwicklung und Entwicklungsschutz und jedes Mal sind Entscheidungen zu treffen – z. B. Geheimhaltung oder Patentierung oder PRIO Anmeldung, etc.

Ein gutes Beispiel ist die Tiroler Firma bhs Technologies, die Operationswerkzeuge entwickelt, welche die Fähigkeiten von Chirurgen erweitern und Höchstleistungen ermöglichen sollen (www.bhs-technologies.com). Die Gründer Markus Hütter, Gregor Burger und Michael Santek denken den Schutz ihrer Technologie ständig mit –  das ist ganz wesentlich, wenn man langfristig Erfolg haben will.

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